Projekt ALIA: Sprachen lernen im Zeitalter von KI (2025–2028)

Einen Text verfassen oder ein Video in einer Sprache erstellen, die man nicht beherrscht? Mit Hilfe generativer künstlicher Intelligenz (GenAI) ist das nun möglich. Doch diese technologische Entwicklung bringt weitreichende Veränderungen für das Sprachenlernen mit sich. Sie verändert nicht nur die Art und Weise, wie wir Sprachen lernen, sondern stellt auch die Sinnhaftigkeit des Sprachenlernens selbst infrage. Manche Medienstimmen prophezeien das Ende des Sprachunterrichts; andere erklären ihn mittlerweile für nutzlos. Wie können wir in diesem Zusammenhang Lehrpersonen und Schüler:innen dabei unterstützen, generative KI zu einem Verbündeten zu machen und gleichzeitig dem Sprachenlernen weiterhin Sinn und Bedeutung zu verleihen? Genau dieser Herausforderung möchte das Projekt ALIA begegnen.

Hintergrund

Bislang haben viele Fremdsprachenlehrpersonen auf die zunehmende Nutzung von generativer KI mit einer stärkeren Gewichtung des mündlichen Ausdrucks in Unterricht und Leistungsbewertung reagiert – etwa durch die Durchführung mündlicher Prüfungen oder indem sie ihre Schüler:innen auffordern, anstelle schriftlicher Texte Videos oder Audiodateien einzureichen (Bower et al. 2024). Doch richtig eingesetzt kann generative KI auch Lehrpersonen und Lernenden gleichermassen zugutekommen, indem sie beispielsweise einen stärker individualisierten Unterricht ermöglicht, der auf die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Lernenden eingeht (CIIP 2025).

Allerdings ist es wichtig, trotz der vielfältigen Möglichkeiten von generativer KI, ihre Grenzen im Blick zu behalten. Zwar hat sich gezeigt, dass generative KI die mehrsprachige Kommunikation in zahlreichen Kontexten erleichtern kann (Klimova et al. 2022), doch bei Sprachen mit geringeren digitalen Ressourcen erzielt sie schlechtere Ergebnisse (vgl. Ranathunga et al. 2023), kann Vorurteile und Stereotype reproduzieren und tendiert zu einer standardisierten Sprache, die regionale sprachliche Besonderheiten des Deutschen und Französischen in der Schweiz nur unzureichend berücksichtigt.

Im mehrsprachigen Kontext der Schweiz ist es daher entscheidend, dass Schüler:innen – die Bürger und Bürgerinnen von morgen – die notwendigen Kompetenzen entwickeln, um KI kritisch, reflektiert und nachhaltig einzusetzen. Eine gute, zumindest passive Beherrschung der Fremdsprache ist dabei unerlässlich, wenn wir weiterhin Verantwortung für die Botschaften übernehmen wollen, die wir gemeinsam mit KI erstellen.

Ziele des Projekts

Um Schüler:innen und Lehrpersonen bestmöglich zu unterstützen, hat das ALIA-Projekt zum Ziel, direkt einsetzbare Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I (Cycle 3) zu entwickeln. Diese Lernmaterialien setzen sich aus acht Unterrichtseinheiten von jeweils 45 Minuten zusammen. Die Unterrichtseinheiten sollen die KI-Kompetenz der Schülerinnen und Schüler für die Kommunikation in der Fremdsprache fördern und stützen sich dabei auf vier Komponenten des von Cardon et al. (2023) entwickelten Kompetenzrahmens:

  • Anwendung unterstreicht die Bedeutung eines grundlegenden technischen Verständnisses dafür, wie KI-Tools funktionieren. Dazu gehört auch, die verschiedenen verfügbaren Tools und ihre Eignung für eine bestimmte Aufgabe zu kennen.
  • Authentizität erinnert uns daran, dass eine authentische, am Menschen orientierte Kommunikation stets im Vordergrund stehen sollte.
  • Handlungsfähigkeit bedeutet, dass der Mensch die Kontrolle über den Kommunikationsprozess behält und sich nicht von der Technologie abhängig macht.
  • Verantwortlichkeit betont beim Einsatz von KI die Bedeutung von Transparenz sowie eines ethischen und fairen Umgangs mit der Technologie und die Notwendigkeit, Verantwortung für Inhalte zu übernehmen, die mithilfe von KI erstellt wurden.

Neben diesen Leitprinzipien halten wir es für wesentlich, auch die Motivation der Schülerinnen und Schüler in den Blick zu nehmen – insbesondere in einer Zeit, in der die Notwendigkeit des Fremdsprachenlernens infrage gestellt wird. Motivation spielt eine entscheidende Rolle für den Lernerfolg und Lernende sind eher dazu motiviert, Kompetenzen zu entwickeln, die sie als relevant und im Hinblick auf neue technologische Entwicklungen als zukunftsweisend wahrnehmen. Auf diese Weise können sie eine zukunftsorientierte Perspektive entwickeln und zugleich ihre Selbstwirksamkeit beim Erlernen von Fremdsprachen stärken (Dörnyei & Ryan 2015).

Bower, M., Torrington, J., Lai, J. W. M., Petocz, P. & Alfano, M. (2024). How should we change teaching and assessment in response to increasingly powerful generative Artificial Intelligence? Outcomes of the ChatGPT teacher survey. Educ Inf Technol, 29. https://doi.org/10.1007/s10639-023-12405-0

Cardon, P., Fleischmann, C., Artiz, J., Logemann, M. & Heidewald, J. (2023). The challenges and opportunities of AI-assisted writing: Developing AI literacy for the AI age. Business and Professional Communication Quarterly, 86(3) https://doi.org/10.1177/23294906231176517

CIIP (2025). Intelligence artificielle générative – IAG. Recommandations pour une utilisation réfléchie et mesurée dans l’enseignement. Accès : https://www.ciip.ch/files/1050/Documents/IRDP/Recommandations_IAG_19-03-2025_V10.pdf

Dörnyei, Z., & Ryan, S. (2015). The Psychology of the Language Learner Revisited (1st ed.). New York, Routledge. https://doi.org/10.4324/9781315779553

Klimova, B. et al. (2023). A Systematic Review on the Use of Emerging Technologies in Teaching English as an Applied Language at the University Level. Systems, 11. https://doi.org/10.3390/systems11010042

Ranathunga, S. et al. (2023). Neural Machine Translation for Low-resource Languages: A Survey, ACM Computing Surveys, 55, 1-37. https://doi.org/10.1145/3567592

  • Prof. Dr. Sara Cotelli Kureth (UniNE)
  • Prof. Dr. Caroline Lehr (ZHAW)

  • Jérémy Jaquet (UniNE)
  • Dr Elana Summers (ZHAW)

  • Université de Neuchâtel (UniNE)
  • Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

  • Bundesamt für Kultur (CHF 180’000.00)

  • Beginn: September 2025
  • Ende: August 2028

  • Sekundarschule Les Forges (La Chaux-de-Fonds)
  • FKSZ Schulhaus Kreuzbühl (Zürich)
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