Fermer
_fs_nccr_choix.jpg

Dünger gegen Pflanzenkrankheiten

Pressemitteilung vom 6. September 2011

Einige Substanzen, die die Resistenz von Erdbeeren gegen Grauschimmel (Botrytis cinerea) induzieren, können noch besser wirken, wenn sie zusammen mit stickstoffhaltigen Düngergaben verabreicht werden. Dies ist eine der Feststellungen von Philippe Nicot, Forscher am INRA (Institut National de la Recherche Agronomique, Nationales Institut für Landwirtschaftsforschung), der seine Arbeiten im Rahmen des Kongresses PR-IR11 in Neuenburg vorstellt.
Dass Stickstoffdüngung auf die Sensibilität von Pflanzen gegenüber Schadinsekten oder Krankheiten wirken, ist gut bekannt. Weniger gut dokumentiert sind hingegen die Interaktionen zwischen diesen Düngern und biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln, besonders im Hinblick auf Substanzen, welche die natürlichen Abwehrkräfte von Pflanzen stimulieren. Hier setzen die Forschungsarbeiten von Philippe Nicot, einem Wissenschaftler im Fachbereich für Pflanzenpathologie am INRA in Avignon (Frankreich), an.
«Düngung kann Pflanzenkrankheiten auf dreierlei Arten beeinflussen», erklärt Philippe Nicot. «In erster Linie werden die von den Wurzeln aufgenommenen Mineralstoffe in den pflanzlichen Zellen gebraucht. Stellt man der Pflanze viel Stickstoff zur Verfügung, werden sich in der Regel die Blätter mit diesem Nährstoff anreichern, entweder in Form von Mineralstoffen oder in Form von Proteinen. Infolgedessen finden pathogene Pilze und Schadinsekten potenziell ein reichhaltigeres Substrat vor.»
Düngemittel können auch die Abwehrsysteme von Pflanzen beeinflussen. Je nach Zusammensetzung und Dosierung können Dünger die Produktion bestimmter toxischer pflanzlicher Verbindungen gegen Schadinsekten oder Krankheitserreger begünstigen oder erschweren. Sie können auch die Stärkung der Zellwände fördern, was den Pflanzen eine bessere Resistenz gegenüber Angriffen von Aussen verleiht. Wird aber schliesslich das Wachstum zu üppig – dies ist die dritte Wirkungsweise von Düngemitteln –, nimmt die Pflanze einen solchen Umfang an, dass die Feuchtigkeit des Mikroklimas im Blattwerk zunimmt, was die Entwicklung zahlreicher Krankheiten begünstigt.
Die Dosierung der Düngemittel scheint deshalb ein Schlüsselfaktor zum Erfolg zu sein: Bei kleinen Dosen (zum Beispiel Nitratkonzentrationen zwischen 0.5 und 2 mMol/L) weisen die Blätter von Erdbeerpflanzen, welche mit dem biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel Serenade Max behandelt wurden, deutlich weniger grosse Schädigungen auf, als diejenige von Pflanzen, die fünf- bis zehnmal höhere Düngergaben erhalten hatten.
Dies betrifft aber nicht nur Erdbeersträucher. Philippe Nicot und seine Mitarbeiter haben auch die vorteilhaften Auswirkungen von Düngergaben bei Tomaten gegen Botrytis cinerea erforscht. «Diese Daten haben wir aus Untersuchungen mit zwei anderen Typen von biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln erhalten (zwei Pilzarten), deren angenommene Wirkungsweise die Induzierung der Widerstandskraft der Pflanze nicht von vorneherein mit einschliesst», differenziert der Forscher des INRA.
Zurzeit ist ein gross angelegtes, nationales Projekt über Gemüsekulturen in Frankreich im Gang ("FertiLég-FertiPro" genannt), an welchem auch das Labor von Philippe Nicot sowie Mitarbeiter aus anderen Fachbereichen des INRA und weitere Akteure für Entwicklung und angewandte Forschung beteiligt sind, um die Bedeutung einer Synthese von gezielter Düngung und integrierter Schädlingsbekämpfung bei Gemüsekulturen zu evaluieren . «Um über die ersten Laborarbeiten hinauszugehen», fährt der Forscher fort, «müssen nun mögliche unerwünschte Begleiterscheinungen identifiziert und beurteilt sowie die Vorgehensweisen in Feldversuchen getestet werden, und zwar hinsichtlich der Einschränkungen, die den Landwirten gegeben sind.» Und diese sind zahlreich: Es geht nämlich nicht nur darum, die Konsequenzen auf die Empfindlichkeit einer Kulturpflanze in Bezug auf eine einzelne Krankheit auszuwerten, sondern es müssen die Auswirkungen auf die Sensibilität von Nutzpflanzen gegenüber ihren verschiedenen Hauptschädlingen bzw. Hauptkrankheitserregern evaluiert werden. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen auf die Produktionskosten und den Ertrag sowie die Qualität der Ernteprodukte mitberücksichtigt werden müssen.

 

Contacts

Dr Philippe C. Nicot
INRA - Unité de Pathologie végétale
F-84143 Montfavet (France)
Tel: +33 4 32 72 28 59
Philippe.Nicot@avignon.inra.fr