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Vermeintliche Tarnung von Krabbenspinnen aufgeflogen

pressemitteilung vom 4. November 2009

Die Lauerjägerin Misumena vatia (veränderliche Krabbenspinne) kann ihre Körperfarbe zwischen weiss und gelb wechseln, eine Farbanpassung an die Farbe der Blüten auf denen sie jagen. Seit über einem Jahrhundert wurde allgemein angenommen, dass ihre Beutetiere (vor allem Bestäuber) sie dadurch nicht entdecken können, und somit farblich angepasste Krabbenspinnen mehr Beute fangen sollten als unangepasste. Eine Studie der Universität Fribourg im Rahmen des nationalen Forschungsschwerpunkts Plant Survival" zeigt nun, dass die Krabbenspinnen von der Farbanpassung nicht profitieren. Sie erscheint heute im englischen Wissenschaftsmagazin Proceedings of the Royal Society B.

Dank einer Videoüberwachungsanlage ist es Rolf Brechbühl, Doktorand an der Universität Fribourg, gelungen, die Hypothese zu widerlegen, nach der gut getarnte Spinnen mehr Beutetiere fangen als solche ohne Tarnung. Er mass den Beutefangerfolg der Veränderlichen Krabbenspinne entsprechend ihrer Fähigkeit, mit der Umgebung zu verschmelzen.
 
Die untersuchten Spinnen könnten grundsätzlich in jedem Schweizer Garten vorkommen", sagt Rolf Brechbühl. Allerdings würden die wenigsten Leute diese Tiere wahrnehmen, da sie ihre Körperfarbe derjenigen der Blüte anpassen und sie so nur schwierig zu erkennen seien. Dies dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass man allgemein annahm, dass die farbliche Anpassung der Spinnen ein Täuschungsversuch für ihre Beute ist. Diese Hypothese konnte nun widerlegt werden.

Die Forscher filmten einen Sommer lang verschiedenfarbige Blüten mit und ohne Krabbenspinnen. Mit Hilfe von zehn Kameras konnten so mehr als 8'000 Besuche und 78 Fänge von Insekten aufgezeichnet werden. Nebst der Feststellung, dass farblich angepasste Krabbenspinnen keinen höheren Fangerfolg verzeichneten, fand die Forschungsgruppe, unter die Leitung von Sven Bacher, auch andere interessante Fakten. Brechbühl erklärt: Wir fanden Unterschiede bezüglich des Verhaltens verschiedener Bestäubergruppen gegenüber den Spinnen. Solitäre Bienen und Schwebfliegen mieden die Spinnen grundsätzlich, egal welche Farbe Spinnen und Blüten hatten. Honigbienen und Hummeln hingegen zeigten ein wirklich unerwartetes Verhalten; die Spinnen liessen sie kalt. Ziemlich sicher konnten auch sie die Spinnen auf den Blüten wahrnehmen, dürften sich durch ihre Körpergrösse aber geschützt gefühlt haben."

Wozu dienen denn nun aber all die Anstrengungen, sich zu tarnen? Die Forscher stellen die Hypothese eines Schutzes gegen Sonnenstrahlung auf, da die Veränderliche Krabbenspinne auf den Blütenoberflächen während langer Zeit der Sonne ausgesetzt ist und sie durch ihre transparente Haut diesbezüglich besonders empfindlich ist. So gesehen wäre die Tarnung nur ein Nebeneffekt eines wichtigeren Ziels: nämlich desjenigen des Sonnenschutzes. Dies wäre jedoch Thema weiterer Forschungsarbeiten.

kontakte

Universität Fribourg
Unit of Ecoloy and Evolution

Rolf Brechbühl
rolf.brechbuehl@unifr.ch
Tel. +41 26 300 88 49

Dr. Sven Bacher
sven.bacher@unifr.ch

Misumena vatia
(c) commons.wikimedia.org