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Transgener Bt-Mais: nachweislich keine schädliche Wirkung auf ein Nutzinsekt

pressemitteilung vom 29. August 2008

Für die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea), einen effektiven Räuber vieler Schadinsekten, ist die Aufnahme der von zwei transgenen Bt-Maissorten produzierten Toxine über die Nahrung gefahrlos, selbst in hohen Dosen. Zu diesem Schluss gelangte ein Team der Forschungsanstalt Agroscope ART in Zürich. Die Studie wurde unterstützt vom Nationalen Forschungsschwerpunkt (NCCR) Plant Survival - einem Forscher-Netzwerk, das von der Universität Neuenburg aus geleitet wird. Die Ergebnisse wurden Anfang August im Wissenschaftsmagazin PLoS ONE veröffentlicht.

In Maiskulturen sind die Larven von Chrysoperla carnea gern gesehene Nutzinsekten, an dessen Schutz und Erhaltung den Landwirten viel gelegen ist. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Florfliege gleichfalls das Interesse von Biologen weckt, die auf die Auswirkungen von transgenen Pflanzen auf die Umwelt spezialisiert sind. So auch Yunhe Li und Michael Meissle, die kürzlich unter der Leitung von Jörg Romeis diese für die Landwirtschaft beruhigenden Schlussfolgerungen publiziert haben.

Das Team des NCCR Plant Survival hat adulte Florfliegen, die sich ausschliesslich von Pollen und Nektar ernähren, mit Pollen zweier transgener Maissorten gefüttert. Die erste Sorte stellt das insektizide Protein Cry1Ab her, das zur Bekämpfung von Schadfaltern wie dem Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) bestimmt ist. Die zweite produziert das Protein Cry3Bb1, das auf Blattkäfer der Gattung Diabrotica wirkt. Die Forscher an Agroscope ART konnten keinen Unterschied feststellen zwischen den Florfliegen, die mit Bt-Maispollen ernährt wurden und solchen, denen Pollen von nicht transgenen Maissorten verfüttert wurde.

Lebensdauer, Vermehrungsfähigkeit, Fruchtbarkeit oder Gewicht: All diese Parameter blieben in den zwei Testgruppen der Florfliegen vergleichbar. Es ist das erste Mal, dass eine Studie über die Toxizität dieser Proteine an adulten Florfliegen durchgeführt wurde: Die bislang publizierten Forschungen hatten sich auf die räuberischen Larven dieses Nützlings konzentriert.

Um diese Ergebnisse zu überprüfen setzten Yunhe Li und seine Kollegen die Insekten anschliessend der denkbar schlimmsten Situation aus: Sie verabreichten ihnen Giftkonzentrationen, die ein zehnfaches über den Werten liegen, die in transgenem Maispollen gefunden werden. Sogar in diesem höchst unrealistischen Szenario blieben sämtliche gemessene Parameter im normalen Bereich. Fazit: Chrysoperla carnea ist gegen die untersuchten insektiziden Proteine unempfindlich.

Diese Studie steht in Zusammenhang mit einer Publikation desselben Instituts aus dem Jahr 2006, welche ebenfalls im Rahmen des NCCR Plant Survival durchgeführt wurde. Die Doktorandin Lena Obrist hatte damals aufgezeigt, dass Florfliegen, die Pollen von Bt-Mais ausgesetzt waren, das Toxin Cry1Ab aufnehmen; sie konnte Spuren in ihren Körpern nachweisen. «Lena Obrists Arbeit ging jedoch nicht auf die Frage ein, ob das aufgenommene insektizide Protein die Florfliegen tatsächlich schädigt», präzisiert Jörg Romeis. «Unsere Studie beseitigt diesen Zweifel endgültig.» Folglich hat die Florfliege selbst auf Bt-Maisfeldern, deren Fläche weltweit immerhin mehr als 28 Millionen Hektaren beträgt, vorläufig nichts zu befürchten.

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Chrysoperla carnea
(c) Mario Waldburger/Agroscope ART