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Hindernislauf der Rottanne

pressemitteilung vom 26. April 2007

Als Wahrzeichen der Bergwälder steht die Rottanne im Zentrum der Dynamik der bewaldeten Weiden. Durch die Kombination von Freilandbeobachtungen und statistischen Analysen konnte ein Neuenburger Forscher die Faktoren festlegen, welche die verschiedenen Etappen der Regeneration und des Wachstums dieser Baumart bestimmen. Seine Folgerungen krönen die Dissertation, die mit Unterstützung des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) Überlebenserfolg von Pflanzen realisiert wurde.

Gerade jetzt, wo einige Experten den Rückgang der Gemeinen Fichte oder Rottanne (Picea abies) aufgrund der Klimaveränderung vorhersagen, kommt die Studie von Daniel Béguin, Biologe an der Universität Neuenburg und am WSL (Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft) sehr gelegen. Sie bestätigt, dass die Regeneration dieses Baumes von mehreren kritischen Phasen abhängt.

Denn bevor er zum Riesen in den Bergwäldern heranwachsen kann, muss sich der Nadelbaum als kleiner Keimling, nicht grösser als die ihn umgebenden Kräuter, einen Platz verschaffen. Die weit ausladenden unteren Äste der ausgewachsenen Tannen bieten oft einen ausgezeichneten Schutz für die jungen Schösslinge, vor allem vor Verbissschäden durch Vieh. Werden die Bäume ausgelichtet, kann das Überleben der nachwachsenden Generationen beeinträchtigt werden.

Professor Jean-Michel Gobat, Leiter der Dissertation, weist darauf hin, dass dies auch für das Ausschneiden der Dornensträucher gilt. Können diese nämlich rund um die Baumstämme wachsen, bieten auch sie eine geeigneten Abwehr gegen Verbiss: Sie ermöglichen es der kleinen Tanne, sich in ihrem Schutz zu entwickeln, und veranschaulichen auf schöne Weise das Prinzip der Vereinfachung. Im selben Masse wie nämlich der Nadelbaum heranwächst, entzieht er seinem Wohltäter aus Kindertagen das Licht, was schliesslich dazu führt, dass der Dornbusch verkümmert. Damit die natürliche Regeneration der Bäume gesichert bleibt, dürfen auf den Weiden nicht allzuviele der Dornensträucher ausgemerzt werden.

Daniel Béguin zeigt auch die Notwendigkeit auf, die Kleinstrukturen in der Landschaft zu erhalten. Abhänge, Felsgelände und Baumstrünke, die nach dem Holzschlag stehen gelassen werden, bilden ebenfalls günstige Lagen für die ersten Regenerationsstadien der Rottanne.

Das wesentlich Neuartige seiner Arbeit beruht aber darin, nicht nur das Wachstum der Rottanne auf Weiden vom Keimstadium bis zum ausgewachsenen Baum beleuchtet, sondern gleichzeitig ihr Verhältnis zu ihrer Umgebung beobachtet zu haben, was unter anderem auch die Störungen durch Vieh miteinschliesst. François Gillet, Koleiter der Dissertation und Dozent an der EPFL betont: «Diese Forschungsarbeit mit systemischem Charakter ergänzt auf nützliche Weise die jüngst abgeschlossenen Dissertationen, welche die Frage nach der Simplifizierung der Regeneration mit experimentellen und reduktionistischen Herangehensweisen aufgegriffen haben.»

Um an sein Ziel zu gelangen, hat der Biologe während fünf Jahren zwei Gebiete im Parc jurassien vaudois und im Neuenberger Jura durchkämmt, angefangen von Quadratdezimetern bis hin zum Massstab in Hektargrösse. Es ist ihm gelungen, eine auf Beobachtungen beruhende, naturwissenschaftliche Methode mit einer statistischen Arbeitsweise, welche die geduldig gesammelten Daten zu verarbeiten erlaubt, miteinander zu verbinden. Die Synthese seiner Beobachtungen ermöglicht es, den veritablen Hindernislauf, den die Rottanne auf Waldweidungen während ihrer Entwicklung zurücklegt, nachzuvollziehen, und dies unter Berücksichtigung der Schlüsselkonzepte der Pflanzenökologie.

kontakt

Dr Daniel Béguin
Parc jurassien vaudois
St-George VD
Tél 022 366 51 70
e-mail: daniel.beguin@unine.ch