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Eine invasive Pflanze verändert ihre klimatische Nische um sich weiter auszubreiten

pressemitteilung vom 23. Juli 2007

Die Gefleckte Flockenblume, eine aus Europa nach Nordamerika eingeschleppte invasive Pflanze, ist innerhalb von etwas mehr als einem Jahrhundert in ein Klima vorgerückt, das trockener ist als ihre ursprüngliche Nische. Aufgrund dieser Feststellung hat ein Team des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) Plant Survival den Grundsatz in Frage gestellt, wonach alle Pflanzen, die sich in einem neuen Gebiet ansiedeln, ihre klimatischen Vorlieben auch längerfristig beibehalten. Eine Weltneuheit - zu entdecken in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift Ecology Letters*.

Die Gefleckte Flockenblume (Centaurea maculosa), die zur selben Familie wie die Kornblume, die Chrysanthemen, oder das aufrechte Traubenkraut gehört, ist in Nordamerika zu einer Plage geworden. Eingeführt wurde sie dort aus Mitteleuropa um etwa 1890. In etwas mehr als einem Jahrhundert breitete sich das Unkraut auf dem nordamerikanischen Kontinent aus, wo sie heute mehr als drei Millionen Hektaren Gras- und Weideland in 14 amerikanischen Staaten im Nordwesten der USA und in zwei kanadischen Provinzen besiedelt.

«Die Pflanze vermindert den Futterwert der Weiden für Wild- und Haustiere, beeinträchtigt die Artenvielfalt und erhöht die Bodenerosion. In einigen Regionen von Montana gelang es ihr sogar, praktisch alle anderen einheimischen Pflanzen zu verdrängen», berichtet Olivier Broennimann, Doktorand an der Universität Lausanne und Erstautor des in Ecology Letters erschienenen Artikels. Die Pflanze verursacht auf diese Weise jährlich Schäden in der Höhe von mehr als 150 Millionen USD.

Unter der Ägide von Professor Antoine Guisan, Leiter des Laboratoriums für Räumliche Ökologie an der Universität Lausanne, wollte ein internationales Forscherteam mehr über die Umweltfaktoren und klimatischen Bedingungen der Ausbreitung dieser Art in Erfahrung bringen. Das Ergebnis: Im Gegensatz zur relativ verbreiteten Regel hat die Flockenblume in der neuen Heimat ihre ursprünglichen klimatischen Vorlieben nicht beibehalten. Sie entwickelt sich dort heute in einem trockeneren Klima und erschloss sich damit den Nordwesten Amerikas.

Diese Feststellung hat Folgen für die Vorhersagen zur Verbreitung eingeführter Pflanzen, da sich diese bisher gerade darauf stützten, dass Gebiete für die Besiedlung in Frage kommen, in denen ähnliche klimatische Bedingungen herrschen wie im ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Beibehaltung der klimatischen Nische. Da die Gefleckte Flockenblume ihre klimatische Nische aufgegeben hat, sind Vorhersagen zu ihrer Verbreitung auf dem amerikanischen Kontinent schwierig. «Der Ansatz bleibt jedoch relevant, um abzuschätzen, in welchen Gebieten sich künftige invasive Pflanzen verbreiten könnten, die noch nicht eingeführt sind oder gerade dabei sind, Fuss zu fassen», erklärt Olivier Broennimann. «Die Methode verliert nichts von ihrer Nützlichkeit als Präventionsinstrument gegen biologische Invasionen.»

Ein weiterer interessanter Punkt: «Das gleiche Phänomen scheint sich in Europa zu wiederholen, mit einer Erweiterung des Verbreitungsgebiets nach Westen», fügt Antoine Guisan hinzu. «Es ist parallel in beiden Kontinenten ein Abdriften der klimatischen Nischen dieser Art zu beobachten.»

Besteht also die Gefahr, dass sich die Gefleckte Flockenblume auch in Europa zu einer invasiven Art entwickelt? Theoretisch ja, sind sich die Forscher einig. In den vergangenen Jahrzehnten breitete sich die Art in Europa in ungewöhnlichen Lebensräumen aus, wie im Bauschutt von Güterbahnhöfen, in Industriezonen oder in anderen Umgebungen, die stark durch menschliche Einflüsse geprägt sind. Möglicherweise handelt es sich dabei um in jüngerer Zeit zurück nach Europa eingeführte amerikanische Varietäten. Nur genetische Analysen zur Herkunft dieser Populationen, wie sie gegenwärtig an der Universität Freiburg durchgeführt werden, können jedoch Antwort auf diese Frage geben.

*Evidence of climatic niche shift during biological invasion
O. Broennimann, U. A. Treier, H. Müller-Schärer, W. Thuiller, A. T. Peterson and A. Guisan

kontakte

Prof. Antoine Guisan
Mr. Olivier Broennimann
Prof. Heinz Müller-Schärer


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