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Transgener Mais ist anfälliger für Blattläuse

pressemitteilung vom 22. August 2007

Blattläuse gedeihen auf Bt-Mais besser als auf entsprechenden herkömmlichen Sorten. Gemäss dem für diese Erkenntnis verantwortlichen Forschungsteam des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) Plant Survival haben Blattläuse allerdings nicht zwingend negative Folgen für die Landwirtschaft, da sie Honigtau produzieren, der wiederum nützlichen Insekten als Nahrungsquelle dient.

Die ökologischen Auswirkungen transgener Nutzpflanzen werden in zahlreichen Forschungsprojekten sorgfältig untersucht. Dazu trägt auch die in der Fachzeitschrift PloS ONE veröffentlichte Studie bei, die von Cristina Faria unter Leitung von Ted Turlings, Professor für Chemische Ökologie an der Universität Neuenburg, und Mitarbeitenden durchgeführt wurde. Die Forschenden stellten fest, dass bestimmte transgene Maissorten deutlich anfälliger für Blattläuse der Art Rhopalosiphum maidis waren als die entsprechenden herkömmlichen Sorten. «Wir haben sechs transgene Maissorten mit Genen des Bakteriums Bacillus thuringiensis untersucht. Das von diesen Genen hergestellte Toxin ist sehr spezifisch und wirkt nur auf Raupen, die sich von diesen Pflanzen ernähren, nicht aber auf Blattläuse. Fünf der untersuchten Sorten waren von fast doppelt so vielen Blattläusen befallen», fasst Cristina Faria zusammen. Ihre weiteren Ausführungen stellen dann aber klar, das dies nur auf den ersten Blick für die Pflanze schädlich zu sein scheint.

«Es ist eine Frage des Gleichgewichts in der Region, in der der Mais angepflanzt wird. Wenn Blattläuse keine grösseren Probleme verursachen, ist dies sogar eine ziemlich gute Neuigkeit.» Blattläuse produzieren nämlich Honigtau, eine zuckerreiche Flüssigkeit, die nützliche Insekten wie die parasitische Wespe Cotesia marginiventris als Nahrungsquelle nutzen. Dieser Parasitoid hilft der Pflanze, wenn sie von Raupen befallen ist: Er tötet die Schädlinge, indem er Eier in sie ablegt. In Käfigen mit Bt-Mais, der von Blattläusen befallen war, lebte die Cotesia-Wespe doppelt so lange und parasitierte um 37,5% mehr Raupen. Eine höhere Zahl von Blattläusen könnte in Gebieten, in denen Raupen eine Bedrohung für die Maiskulturen darstellen, also sogar die Bekämpfung dieser Raupen unterstützen.

«In Gebieten, in denen Blattläuse als Schädlinge gelten, könnte das Anbauen von Bt-Mais dagegen problematisch sein», erläutert die Biologin. Blattläuse fügen Pflanzen hauptsächlich durch die Übertragung von Viren Schaden zu und Bt-Mais könnte dieses Problem verschärfen.

Worauf ist dieser überraschende Unterschied zwischen Bt-Mais und herkömmlichem Mais eigentlich zurückzuführen? Durch das Einfügen des Bt-Gens könnten andere Gene beeinflusst werden. Die Forschenden des NCCR Plant Survival vermuten aber eher, dass die biochemischen Vorgänge in der Pflanze durch die Produktion des Bt-Toxins verändert sind. So stellten sie in Bt-Pflanzen leicht höhere Konzentrationen von Aminosäuren fest, die für Blattläuse wertvolle Nährstoffe sind. Möglicherweise mobilisiert die Pflanze zur Produktion des Bt-Toxins auch Energieressourcen, die sonst für die Produktion von Abwehrstoffen gegen Blattläuse zur Verfügung stehen.

*High Susceptibility of Bt Maize to Aphids Enhances the Performance of Parasitoids of Lepidopteran Pests
Cristina A. Faria, Felix L. Wäckers, Jeremy Pritchard, David A. Barrett, Ted C.J. Turlings

film


Sehen sie den Film von Matthias Held, der Cotesia marginiventris Wespen zeigt, die an von Blattläusen produziertem Honigtau fressen.

Cotesia marginiventris
(c) Matthias Held, Uni NE

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Prof. Ted Turlings
Université de Neuchâtel