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Eine kleine Pflanze kämpft gegen Afrikas Hunger

pressemitteilung vom 13. September 2007

Ein äthiopischer Wissenschaftler der Universität Bern untersucht im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) Plant Survival  Äthiopiens wichtigstes Getreide: Teff. Um der äusserst hohen Labilität des Getreidehalms entgegenzuwirken, die sich nachteilig auf die Ernte auswirkt, produziert Zerihun Tadele mittels Spitzenbiotechnologie Zwergteff-Linien. Parallel zu seinen Forschungen ist er Ko-Organisator einer internationalen Konferenz, die der Erschliessung indigener Pflanzenkulturen in Entwicklungsländern gewidmet ist. Der Anlass findet vom 19. bis 21. September in Bern statt.

Teff (Eragrostis tef) steht zuoberst auf der Liste der Getreidekulturen Äthiopiens, wo er auf einer Fläche von mehr als einer Million Hektaren angebaut wird. Und das mit zahlreichen Vorteilen: In erster Linie besticht er durch seine Fähigkeit, selbst unter extremen klimatischen Bedingungen gut zu gedeihen, denn er erträgt sowohl Trockenheit wie durchnässten Boden. Ausserdem sind seine Körner reich an Proteinen und Aminosäuren und können lange gelagert werden, ohne von Schädlingen befallen zu werden. Noch interessanter jedoch ist, dass Teff glutenfrei ist: Ein zusätzlicher Pluspunkt, da zahlreiche Personen auf Weizengluten allergisch sind.

Die Ertragsmenge von Teff ist allerdings gering, denn die Halme der Pflanzen sind nicht sehr standfest, d.h. sie neigen zum Umfallen, was einen beträchtlichen Einfluss auf Qualität und Quantität der Ernte zur Folge hat. Die FAO schätzt, dass diese Schwäche für ca. 17% der Verluste verantwortlich ist. Um dieser Schwäche entgegenzuwirken, wurde 2006 an der Universität Bern dank der Unterstützung der Syngenta Foundation for Sustainable Agriculture eine Studie begonnen. Zerihun Tadele, äthiopischer Forscher und Mitarbeiter am Labor von Cris Kuhlemeier, versucht verschiedene Sorten von Zwergteff herzustellen, die dem Wind besser widerstehen und nach Düngerzufuhr nicht einknicken.

Hierfür greift er auf TILLING zurück, eine gentechnische Methode, die sich bereits bei Mais, Weizen und Gerste bewährt hat. Ihr Prinzip beruht darauf, die Gene zu identifizieren, die für die Charakteristik der Pflanze verantwortlich sind, die man verändern möchte, im vorliegenden Fall also die Grösse der Pflanze. Eine Pflanze wie Reis, deren Genom vollständig entschlüsselt ist, dient als Modell, um das Gen, das dieses Merkmal kontrolliert, ausfindig zu machen. Anschliessend wird das entsprechende Gen beim Teff gesucht. Nach nur einem Forschungsjahr ist es Zerihun Tadele gelungen, einige Linien von Zwergteff zu produzieren. Es ist jedoch noch zu früh, um eine Aussage über ihr gesundes Wachstum und die Fruchtbarkeit ihrer Körner zu machen - beides unverzichtbare Bedingungen, um das Interesse der Landwirte zu wecken. Die ersten definitiven Resultate für einen erfolgreichen Ertag von Zwergteff sind ab sofort bis Juni 2008 zu erwarten.

Ertragsschwacher Anbau

Teff wird zu den ertragsschwachen Kulturen gezählt, zu denen Hirsevarietäten sowie einige Erbsensorten gehören, z.B. die Saat-Platterbse (Lathyrus sativa). Ebenfalls als ertragsschwach gelten die Augenbohne (Vigna unguiculata) und die Bambara-Erdnuss (Vigna subterranea), aber auch Wurzelgemüse wie Maniok und Süsskartoffeln. Obwohl sie für Millionen von Afrikanern einen lebensnotwendigen Broterwerb darstellen und einen grossen Anteil der Ernährung ausmachen, werden diese Kulturen von der wissenschaftlichen Gemeinschaft übergangen: Ihr Augenmerk richtet sich vor allem auf «grosse» Kulturen wie Weizen, Mais oder Reis. Daher das Interesse für die Zusammenkunft vom 19. bis 21. September in Bern, die von Zerihun Tadele und Cris Kuhlemeier organisiert wird.

Mehr als sechzig Spezialisten werden die Thematik der Produktionsverbesserung dieser wenig beachteten Pflanzen aufgreifen, und zwar sowohl hinsichtlich der Optimierung herkömmlicher Methoden als auch mittels Biotechnologie. Die Tagung beabsichtigt, die Nicht-GVO-Methoden zur Verbesserung der Pflanzen in den Mittelpunkt zu stellen, wie zum Beispiel das oben erwähnte TILLING. Ingo Potrykus, Ehrengast und Referent, wird Bilanz über die Erfolgsgeschichte des goldenen Reis (Golden Rice) ziehen, ein transgener Reis, den er 1999 an der ETH Zürich entwickelt hat und der dazu bestimmt ist, den Vitamin A-Mangel zu bekämpfen, vom dem hunderte von Millionen Menschen auf der Welt betroffen sind.


Konferenz website: http://www.botany.unibe.ch/deve/orphancrops/index.htm

mehr Info

New approaches to plant breeding of orphan crops in Africa

Dr. Zerihun Tadele
Institute of Plant Sciences
University of Bern
Switzerland
phone: +41 31 631 49 54
fax: +41 31 631 49 42
tadele@ips.unibe.ch

Prof. Cris Kuhlemeier