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Transgene Bt-Pflanzen: Kaum Auswirkungen auf nützliche Insekten

pressemitteilung vom 21. Februar 2006

Transgene Baumwoll- oder Maiskulturen, die ein Bt Toxin produzieren, haben keine direkten Auswirkungen auf nützliche Insekten. Wissenschaftler des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) Plant Survival  bestätigen, dass Aktivität und Vorkommen von Nutzinsekten, die sich von Schädlingen in Bt-Kulturen ernähren, denjenigen in nicht transgenen Baumwoll- oder Maiskulturen entsprechen.

Das Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt) produziert ein insektizides Protein, das die Bekämpfung schädlicher Insekten ermöglicht. Gentechnisch veränderte (transgene) Bt-Pflanzen besitzen dieselbe Eigenschaft, weil in ihr Erbgut ein Gen dieses Bakteriums eingepflanzt wurde. Heute werden Bt-Baumwolle und -Mais weltweit in grossem Massstab angebaut. Im Jahr 2004 betrug die Fläche dieser Kulturen 22,4 Millionen Hektaren; die Zunahme im Vergleich zum Vorjahr beträgt 25 Prozent.

Um herauszufinden, ob und inwiefern diese transgenen Pflanzen Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen haben könnten, haben drei Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt FAL Reckenholz in Zürich die Ergebnisse zahlreicher vorliegenden Studien zu diesem Thema ausgewertet. Jörg Romeis, Michael Meissle und Franz Bigler haben ihre Schlussfolgerungen in der Januarausgabe 2006 des Wissenschaftsmagazins Nature Biotechnology veröffentlicht.

Da das insektizide Protein für bestimmte, pflanzenfressende Schadinsekten giftig ist, stellte sich die Frage, ob deshalb auch für räuberische und parasitische Nutzinsekten eine Gefahr besteht. Raubinsekten wie Marienkäfer ernähren sich von Pflanzen-fressenden (herbivoren) Insekten und schützen so die Pflanze. Parasitische Insekten hingegen nützen der Pflanze, indem sie ihre Eier in die Larven der Schädlinge legen. Es ist deshalb wichtig, dass das insektizide Protein das Überleben dieser nützlichen Spezies, die einen wichtigen Platz in der Schädlingsbekämpfung einnehmen, nicht gefährdet.

Die untersuchten Studien evaluieren mögliche Einflüsse auf Nützlinge in verschiedenen transgenen Kulturen, wie Mais oder Baumwolle. Es gibt keine Anzeichen von direkten Auswirkungen der Bt-Pflanzen auf die natürlichen Feinde der Schädlinge, weder wenn sie das von der Pflanze produzierte Toxin durch direkten Frass an der Pflanze aufnehmen, noch wenn sie Herbivore attakieren, welche das Toxin zwar eingenommen hatten, jedoch immun dagegen sind.

Arbeiten im Labor und Gewächshaus haben jedoch gezeigt, dass bei Nutzinsekten durchaus unerwünschte Auswirkungen auftreten, und zwar dann, wenn ausschliesslich Herbivore als Beute- oder Wirtstiere zur Verfügung stehen, die durch die Toxinaufnahme stark beeinträchtigt sind. Solche unter Extrembedingungen erzielten Auswirkungen («worst case studies») sind weder durch das Toxin selbst bedingt, noch durch die Anwendung eines gentechnologischen Verfahrens, sondern auf die reduzierte Qualität der Beute- bzw. Wirtstiere zurückzuführen. In der chemischen Schädlingsbekämpfung sind solche indirekten Effekte ebenfalls bekannt und akzeptiert.

Die vorliegenden Daten zeigen, dass die heutigen Bt-Pflanzen kaum Auswirkungen auf die Nützlingsfauna haben und gut mit der biologischen Schädlingsbekämpfung vereinbar sind. Dies kann allerdings nicht verallgemeinert werden, da die zum jetzigen Zeitpunkt verfügbaren Daten nicht erlauben zu anderen insektiziden Proteinen Stellung zu nehmen, die in zukünftigen transgenen Kulturen eingesetzt werden könnten. Die entsprechenden Analysen müssen von Fall zu Fall neu vorgenommen werden, schliessen die Forscher des NFS Plant Survival.

Originaler Artikel:

http://www.nature.com/nbt/journal/v24/n1/full/nbt1180.html

Kontakte

Agroscope FAL Reckenholz
Dr. Jörg Romeis
tel +41 44 377 7299
joerg.romeis@fal.admin.ch

Dr. Franz Bigler
tel +41 44 377 7235
franz.bigler@fal.admin.ch

http://www.reckenholz.ch/doc/de/forsch/control/biosi/biosi.html