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Invasive Pflanzen: gefährdete Regionen vorausbestimmen!

pressemitteilung vom 2. Oktober 2006

Eine Forschergruppe des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) «Überlebenserfolg von Pflanzen» hat ein informatisches Modell entwickelt, das ermöglicht, die Regionen zu bestimmen, in denen sich potentielle invasive Pflanzen erfolgreich ansiedeln und verbreiten könnten. Die Forscher stellen die Einzelheiten dieses Erfolges an einem von ihnen organisierten internationalen Symposium vor, der heute und morgen in Freiburg stattfindet.

Das gemeinsame Hauptmerkmal invasiver Pflanzen ist, dass sie aus anderen Regionen in grösstenteils anderen Kontinenten stammen, als dort, wo sie überhand nehmen. Könnte man die möglichen Standorte, die für eine Besiedelung durch solche Spezies in Frage kommen, vorausbestimmen, würde dies eine signifikante Zeitersparnis im Kampf gegen die unerwünschten Pflanzen darstellen, denn sie sind eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität. Heinz Müller-Schärer, Professor an der Freiburger Alma Mater, und Antoine Guisan, Assistenzprofessor an der Universität Lausanne, beide Mitarbeiter des NCCR «Überlebenserfolg von Pflanzen» und Ko-Organisatoren des Symposiums, haben sich zum Ziel gesetzt, diesen Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen.

Heinz Müller-Schärer ist ein grosser Kenner der Gefleckten Flockenblume (Centaurea maculosa). Diese aus Europa stammende Pflanze verbreitet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts auf dem nordamerikanischen Kontinent und zählt heute zu den drei sich am stärksten vermehrenden Arten in den USA. Antoine Guisan ist Experte in biogeografischer Modellierung, Kompetenzen, mit dener er die räumliche und zeitliche Evolution von Pflanzen untersucht.

Mit dem Informatikmodell, das diese beiden Forscher mit ihren Teams entwickelt haben, könnten nun Zonen bestimmt werden, in denen ideale Verbreitungsbedingungen für eine Spezies herrschen. Zudem sollen mit den Forschungen auch die ökologischen und genetischen Veränderungen quantifiziert werden können, die auf eine invasive Art im eroberten Territorium rückwirken. «Unsere Studie beruht auf einem Vergleich zwischen den klimatischen Nischen der Herkunftsgebiete der Gefleckten Flockenblume in Europa und denjenigen in ihren Verbreitungsgebiete in Nordamerika, d.h. ein Vergleich aller klimatischer Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit etc., unter welchen diese Spezies gedeiht», erklärt Antoine Guisan.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme scheint diese Pflanze nicht an ihre ursprünglichen Klima-Nischen gebunden zu sein. «Tatsächlich hat die Gefleckte Flockenblume ihre klimatischen Vorlieben in Richtung eines trockeren Klimas verschoben, was ihr erlaubt, sich im Nordwesten Amerikas auszubreiten», führt Antoine Guisan aus. «Interessant ist auch, dass sich dasselbe Phänomen in Europa zu wiederholen scheint, hier mit einer Ausweitung der Verbreitungsgebiete gegen Westen. Wir beobachten also eine parallele Verschiebung der klimatischen Nischen auf zwei Kontinenten.» Durch ihre Resultate ermutigt, werden die Mitarbeiter des NCCR «Überlebenserfolg von Pflanzen» die Modellierung demnächst zur Untersuchung anderer invasiver Pflanzen einsetzen, darunter die Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia), eine unerwünschte Spezies, die aufgrund ihrer allergieauslösenden Eigenschaften enorme Probleme für die Gesundheit der Bevölkerung darstellt.

Das Symposium in Freiburg bietet aber auch Gelegenheit, einige andere bedeutende Wissenschaftler zu hören. Professor Ragan Callaway von der University of Montana (USA) wird über Pflanzen referieren, die an ihren neuen Standorten «neuartige chemische Waffen» entwickelt haben. So z.B. die Alliaria petiolata, deren Wurzeln eine chemische Substanz absondern, die das Wachstum von Mykorrhiza-Pilzen hemmen. Diese Pilze leben in Symbiose mit Pflanzenwurzeln und liefern Nährstoffe, die für das Überleben bestimmter Pflanzen unerlässlich sind. Mit dieser Strategie schaltet die Alliaria petiolata ihre pflanzliche Konkurrenz aus und kann sich besser verbreiten.

Homepage des Symposiums : http://www.unifr.ch/biol/ecology/biolinv/

kontakte

Prof. Heinz Müller-Schärer
Université de Fribourg
tel + 41 26 300 8835/8850
fax + 41 26 300 9698
Heinz.Mueller@unifr.ch

Prof. Antoine Guisan
Université de Lausanne
Tel. +41 21 692 42 54/4160
Fax +41 21 692 42 65
antoine.guisan@unil.ch