Fermer
_fs_nccr_choix.jpg

Internationale tagung in Leysin

pressemitteilung vom 31. März 2005

Reben gegen Pilze und Insekten unterstützen

Im NFS Plant Survival werden Alternativen zu chemischen Pestiziden getestet, um Reben in ihrem Kampf gegen Krankheiten und Schädlinge zu unterstützen.

Wie kann die Widerstandsfähigkeit der Reben gegen den falschen Mehltau verstärkt werden? So lautet zum Beispiel eine der wissenschaftlichen Fragestellungen. Der falsche Mehltau ist eine Erkrankung, die von pilz-ähnlichen Organismen verursacht wird und welche 90% der Rebflächen betrifft. Um gegen den Krankheitserreger vorzugehen, haben Brigitte Mauch-Mani, Forschungsdirektorin an der Universität Neuenburg, und ihre Kollegen die Reben mit einer Substanz behandelt, die dafür bekannt ist, dass sie die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen alle Arten von Bakterien, Pilzen und Viren verstärkt.

Es handelt sich dabei um die ß-Amino-Buttersäure (besser bekannt unter dem Namen BABA). BABA ist eine natürliche und für die Umwelt unschädlich Substanz. Die Aminosäure gehört zu einer Vielzahl von Molekülen, die in der Lage sind, die Widerstandskraft von Pflanzen, die Krankheitserregern ausgesetzt sind - so wie die Rebe dem falschen Mehltau - zu stärken. Nachdem eine ganze Reihe von möglichen Substanzen überprüft wurde, zeigte sich schliesslich, dass eine Behandlung mit BABA, gefolgt von einer Zugabe von Jasmonsäure den besten Schutz gegen die Krankheit bietet.

Vielversprechende Methode gegen den falschen Mehltau

Feldversuche, die Lucius Tamm am FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) durchgeführt hat, zeigen, dass durch diese Methode 50% der Kulturen geschützt wurden. Dies ist ein bemerkenswertes Resultat, da das Schutzmittel weder daraufhin optimiert wurde, besser in die Pflanze einzudringen, noch dazu, UV-Strahlen oder Regen standzuhalten. Die Resultate zeigen auch, dass BABA wirksamer ist als ein bereits kommerzialisiertes Produkt zur Stärkung der Abwehrkraft, das von der Firma Syngenta als funktionelles Analog von Salicylsäure hergestellt wird.

Der Nachweis welche biochemischen Schutzmechanismen bei der Rebe für den Schutz mit BABA eine Rolle spielen wurde aufgezeigt . Die Abwehr, welche die Pflanze beim Kontakt mit dem falschen Mehltau entwickelt, ist zwar ein natürliches Phänomen. Doch würde dieser Prozess viel zu lange dauern, erhielte die Pflanze nicht ein wenig Unterstützung von aussen. Die BABA-Behandlung wirkt wie ein Verstärker. Die Fähigkeit des falschen Mehltaus Sporen zu bilden wird reduziert und seine Verbreitung wird verlangsamt. Dieses Phänomen wird durch die Bildung von Kallose - einem Zellulose-ähnlichen Polymer - im Gewebe begünstigt. Ein Vorgang, der einer Panzerung der Pflanzenzelle gleichkommt. Die Kallose-Anhäufungen hindern den Krankheitserreger daran, ins Innere der Zelle vorzudringen.

Die Forscher haben auch eine beachtliche Erhöhung von Phenolverbindungen nachgewiesen. Es handelt sich dabei um Moleküle, die für die Pilze und auch den falschen Mehltau giftig sind. Die Phenolverbindungen finden sich nur in jenen Zonen der Blätter, die den Sporen des falschen Mehltaus ausgesetzt sind. In diesen Zonen wird auch Lignin gebildet, ein Stoff, der genau wie die Kallose zur Panzerung der Pflanzenzellen beiträgt.

Durch den Sexualtrieb in die Falle gelockt

Der Einbindige und der Bekreuzte Traubenwickler, zwei Nachtfalterarten, oder besser gesagt ihre Raupen lieben Weintrauben. Sie verursachen dadurch erhebliche Schäden in den Weinbergen, indem sie die Ausbreitung der Graufäule begünstigen. Im schlimmsten Fall wie 1994 wurden durch diesen Umstand bis zu 30% der Traubenernte vernichtet. Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope RAC in Changins und der Universität Neuenburg befassen sich mit Bekämpfungsmethoden, die solche Ernteausfälle verhindern sollen. Und zwar insbesondere mit einer Technik, deren Name Bände spricht: Anlocken und töten".

Das Verfahrens macht Gebrauch von Sexualpheromonen, also Duftstoffen, welche die Weibchen während der Paarungszeit ausstossen, um die Männchen anzuziehen. Durch Beigabe einer Dosis synthetischen Pheromons zu einem mit Insektizid versehenen Köder soll ein Weibchen imitiert werden. So wird das Männchen ins Verderben gelockt. Denn bereits ein kurzer Kontakt mit dem Gift reicht aus, wie der Forscher Thomas Degen erklärt, um 60-90% der Männchen zu töten oder sie zumindest ihrer Fortpflanzungsfähigkeit zu berauben. Thomas Degen , der in Changins arbeitet, hält zum Thema Anlocken und töten" einen Vortrag in Leysin.

Die im Rahmen des NFS Plant Survival entwickelte Methode hat den Vorteil, die beiden unerwünschten Nachtfalterarten ausser Gefecht zu setzen, ohne dabei giftige Rückstände auf den Trauben zu hinterlassen. Zudem soll das Verfahren kostengünstiger sein als eine Verwirrungstechnik" genannte Methode, die ebenfalls auf Sexualpheromonen basiert und bereits in 50% der Weinbergein der Westschweiz zum Einsatz kommt. Um das Männchen daran zu hindern, seinen Weg zum Weibchen zu finden, benötigt dieses Bekämpfungsverfahren aber Mengen an teuren Pheromonen, die etwa hundert Mal höher sind, als dies bei Anlocken und töten" der Fall ist.

Doch um die Verwirrungstechnik" tatsächlich konkurrenzieren zu können, gilt es für die Forscher noch, einige Hürden zu meistern: Die Dichte der Köder im Rebberg sollte optimiert und ihre Attraktivität noch weiter erhöht werden, beispielsweise indem den Sexuallockstoffen noch attraktive Pflanzenduftstoffe beigefügt werden.

weitere information

Autoren der Studie über die BABA-Anwendung bei Reben:

Mollah Md. Hamiduzzaman, Gabor Jakab, Laurent Barnavon , Jean-Marc Neuhaus un d Brigitte Mauch-Mani, Universität Neuenburg

Autoren der Studie über die Methode «anlocken und töten» im Kampf gegen Reben-schädigende Falter:

Thomas Degen , Pierre-Joseph Charmillot , Agroscope RAC Changins
Patrick Guerin, Universität Neuenburg

Alle Informationen zur Tagung in Leysin finden Sie unter:

www.unine.ch/nccr/international/

Redaktor: Igor Chlebny