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Internationale tagung in Leysin

pressemitteilung vom 31. März 2005

Evaluation der Risiken von Bt-Mais für Nicht-Zielinsekten

Immer häufiger kommen überall auf der Welt gentechnisch veränderte Pflanzen zum Einsatz, welche die Kulturen gegen Schädlinge schützen. Dies ist auch beim Bt-Mais der Fall, der ein Toxin produziert, das spezifisch gegen bestimmte Schädlinge, wie zum Beispiel den Maiszünsler, wirkt. Die Forscher des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) Plant Survival haben Studien durchgeführt um die Risiken dieses Toxins für Nicht-Zielinsekten einzuschätzen.

Obwohl der Anbau von Bt-Mais bis heute keine schädliche Wirkung auf Nicht-Zielinsekten gezeigt hat, gilt es in Sinn einer Risikoabschätzung abzuklären, ob solche Insekten dem Toxin gegenüber ausgesetzt sein könnten. Dieser Frage gehen zwei Studien nach, die ein Team der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope FAL Reckenholz bei Zürich durchgeführt hat. Eine davon untersucht, ob Antropoden dem Bt-Toxin gegenüber ausgesetzt sind. Das heisst, ob und bis zu welchem Grad sie  diese Substanz aufnehmen. Die entsprechenden Experimente wurden in den Labors in Zürich und bei Feldversuchen in Spanien durchgeführt, wo transgene Maiskulturen rund 12% des angebauten Mais ausmachen.

Das erste Ergebnis der Studie: Die Mehrzahl der pflanzenfressenden Insekten (wie zum Beispiel Blattläuse) enthalten praktisch kein Bt-Toxin in ihrem Organismus. Doch es gibt Ausnahmen. Die Spinnmilbe Tetranychus urticae, ein Pflanzenschädling, der sich in den Maisfeldern direkt nach dem Pollenflug ausbreitet, enthält bis zu drei Mal mehr Toxin, als die in den Maisblättern gemessene Konzentration. Ausserdem ist die im Feld gemessene Konzentration um das vierfache höher als die in im Labor ermittelten Werte. In einer früheren Studie wurde zudem gezeigt, dass das Toxin aktiv bleibt, nachdem es von Spinnmilben aufgenommen wurde. Dabei ist allerdings das Leben der Milben nicht gefährdet, da sie gegenüber dem Giftstoff nicht empfindlich ist.

Unter den Nützlingen wurde der höchste Toxin-Gehalt beim Käfer Stethorus punctillum gefunden. Er ist eine nützliche Marienkäferart, die sich ausschliesslich von Spinnmilben ernährt und so die Kulturen vor dem Schädling schützt. «Unsere Untersuchungen bestätigen, dass das Bt-Toxin unter bestimmten Bedingungen durch die Nahrungskette übertragen werden kann und dass Nützlinge so mit dem Toxin in Kontakt kommen können», erklärt Lena Obrist, die zu diesem Thema in Leysin einen Vortrag halten wird. Doch diese Aussage muss differenziert werden: Die Tatsache allein, dass ein Insekt dem Toxin gegenüber ausgesetzt ist, bedeutet noch kein Risiko, denn bis heute wurde unter den Nicht-Zielinsekten noch keine direkte toxische Wirkung festgestellt. In der Studie wurde ebenfalls gezeigt, dass gewisse Räuber im Bt-Maisfeld  kein Bt-Toxin enthalten. Ein Umstand, der auf deren diversifizierte Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen ist, da diese Insekten andere Nahrungsquellen als die toxinhaltigen Pollen oder Spinnmilben nutzen.

Lena Obrist, die am Agroscope FAL Reckenholz eine Dissertation unter der Betreuung von Franz Bigler schreibt, hat noch eine weitere Studie zu Nicht-Zielinsekten durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung war, die Wirkung des Bt-Toxins auf pflanzenfressende Insekten zu ermitteln. Dazu wurde dessen Auswirkungen auf Thripse der Art Frankliniella tenuicornis untersucht, insbesondere die Persistenz des Toxins im Organismus der Insekten nachdem sie Bt-Mais gefressen hatten.

Für Räuber, die sich von Thripsen ernähren, bleibt das Risiko relativ tief, da verhältnismässig wenig Toxin in ihrer Beute enthalten ist und dieses schnell wieder ausgeschieden wird. Die ursprünglich aufgenommene Menge des Toxins nimmt innerhalb von 24 Stunden um 97% ab. Die Analyse der Fäkalien der Thripse zeigt, dass tatsächlich ein grosser Teil des Toxins ausgeschieden wurde. Zur kurzen Verweildauer des Toxins gesellt sich der Umstand, dass sich die Thripse nur im Larven- und Adultenstadium ernähren. Als Puppen und Präpuppen hingegen fressen sie nicht und enthalten deswegen auch kein Toxin.

Die beiden Studien zeigen, dass eine Abschätzung der tatsächlichen Grads der Exposition der Raubinsekten gegenüber dem giftigen Protein im Feld abgeklärt werden muss. Diese Vorgehensweise liefert nicht nur Informationen die zur Risikoabschätzung dienen, sondern auch Erkenntnisse über die Nahrungsgewohnheiten von Beute und Räubern, die eine direkte oder indirekte Verbindung zum Mais haben.

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weitere information

Agroscope, FAL Reckenholz
Swiss Federal Research Station
for Agroecology and Agriculture
Reckenholzstr. 191
CH-8046 Zurich

Lena Obrist
tel +41 1 377 7181
Lena.Obrist(at)fal.admin.ch

Franz Bigler
tel +41 1 377 7235
Franz.Bigler(at)fal.admin.ch

Alle Informationen zur Tagung in Leysin finden Sie unter:

www.unine.ch/nccr/international/

Redaktor: Igor Chlebny