Fermer
_fs_nccr_choix.jpg

Warum sind invasive arten so erfolgreich ?

pressemitteilung vom 10. August 2004

Die Invasion durch standortsfremde und exotische Arten ist zu einer der wichtigsten Ursachen für das Schwinden der Biodiversität geworden, was nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Folgen hat. Eine Forschungsgruppe des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) Plant Survival ist über das Ausmass des Phänomens in Europa beunruhigt.

Japanischer Stauden-Knöterich, Riesen-Bärenklau oder Goldrute: hinter diesen scheinbar poetischen Namen verbergen sich in Wirklichkeit drei Problemunkräuter. Diese aus fremden Gegenden stammenden Arten wurden als Zierpflanzen in die Schweiz eingeführt und haben hier schnell fruchtbaren Boden gefunden. In den Vereinigten Staaten sind die durch exotische Pflanzen verursachten Schäden besorgniserregend. Die Verluste für die Landwirtschaft belaufen sich dort pro Jahr auf geschätzte 50 Milliarden Schweizer Franken.

In einem in diesem Monat in der angesehenen Zeitschrift Trends in Ecology and Evolution (TREE) erschienenen Artikel zeigt sich die Forschungsgruppe des NFS Plant Survival der Universität Freiburg und des CABI Bioscience Instituts in Delémont (JU) über das Phänomen beunruhigt. Sie stellt fest, dass in Europa zu wenige Studien durchgeführt werden, die abklären, weshalb diese Pflanzen in ihrem neuen Lebensraum über ausgedehnte Gebiete dichte Monokulturen aufbauen können.

Heinz Müller-Schärer, Urs Schaffner und Thomas Steinger stellen mehrere Hypothesen auf, um die ökologischen Ursachen dieser Ausbreitung besser zu verstehen. Sie beabsichtigen zudem, Insekten oder Krankheitserreger zu identifizieren, die fähig sind, die Ausbreitung der invasiven Pflanzen zu bremsen, dabei aber Auswirkungen auf nicht anvisierte Arten bestmöglichst zu begrenzen. In diesem Forschungsgebiet - der sogenannten biologischen Bekämpfung - ist das CABI Biosceince Institut in Delémont führend. Das Problem der invasiven Pflanzen betrachten die drei Forscher des NFS Plant Survival als ein ideales Thema, um zu einem tieferen Verständnis grundlegender Fragen der Ökologie und der Evolution zu gelangen.

In ihrer natürlichen Umwelt werden die meisten Pflanzen durch eine Vielzahl natürlicher Feinde angegriffen. Dazu gehören Säugetiere (Vieh), Insekten, Weichtiere sowie Krankheitserreger (Pilze, Bakterien und Viren). Viele dieser Feinde werden jedoch bei der Einschleppung von Pflanzen am Ursprung zurückgelassen, was zu unkontrollierter Vermehrung im Invasionsgebiet führen kann. Weil sich die Pflanzen weniger gegen ihre natürlichen Feinde verteidigen müssen, können sie ihre Energieressourcen nutzen, um schneller zu wachsen und eine höhere Reproduktionskraft zu erlangen.

Wenn Pflanzen jedoch ihre Schutzmechanismen herabsetzen, bieten sie eine ideale Angriffsfläche für Organismen, die zur biologischen Kontrolle eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist der Blutweiderich (Lythrum salicaria), der als Zierpflanze aus Europa nach Nordamerika eingeführt wurde. Dieses Unkraut hat sich in Feuchtgebieten der USA bereits über eine Fläche von 400 km2 ausgebreitet und ist ausser in Florida in jedem Gliedstaat anzutreffen. Die Einführung natürlicher Feinde aus Europa erlaubte es, die Pflanze über weite Flächen zu eliminieren. Diser Erfolg ist zweifellos durch eine Verringerung ihrer natürlichen Schutzmechanismen begünstigt worden.

Ein Beispiel für die Erhöhung der Reproduktionskraft liefert die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Nordamerika eingeführte Gefleckte Flockenblume (Centaurea maculosa). Diese Distelart blüht dort im Laufe ihres Lebenszyklus mehrere Male, anstatt wie in Europa nach dem ersten Blühen abzusterben. Diese Tendenz kann jedoch umgekehrt werden: seit 1982 sind vier pflanzenfressende Insektenarten ausgesetzt worden, die sich ausschliesslich von den Wurzeln der Flockenblume ernähren. Sie konnten ein mehrfaches Blühen der Pflanze verhindern. Eine gute Nachricht, wenn man weiss, dass diese Pflanze auf dem amerikanischen Kontinent eine Fläche grösser als die Schweiz bedeckt und den Ertrag von Futtergräsern um bis zu 70% vermindert.

Referenz des wissenschaftlichen Artikels:

Müller-Schärer, H., Schaffner, U. and Steinger, T. Evolution in invasive plants: implications for biological control. TRENDS in Ecology and Evolution, Vol.19, No.8, pp. 417-422, August 2004

für weitere information

Prof. Heinz Müller-Schärer

Dr. Thomas Steinger

Dr. Urs Schaffner
CABI Bioscience Centre
CH-2800 Delémont
tel: + 41 32 421 48 77/70
u.schaffner(at)cabi.org

Redaktor: Igor Chlebny