Fermer
_fs_nccr_choix.jpg

Die erforschung von alternativen zu pestiziden fördern

pressemitteilung vom 6. Dezember 2003

Sven Bacher, Privatdozent am Zoologischen Institut der Universität Bern und Mitglied des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) Plant Survival mit Sitz an der Universität Neuenburg, hat am Samstag, den 6. Dezember, den Berner Umwelt-Forschungspreis 2003 erhalten.

Der Preis ist mit 15'000 Franken dotiert und wird zweijährlich von der Universität Bern verliehen. Die Ausrichtung des Preises wird durch Beiträge des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern und der Berner KMU ermöglicht.

In diesem Jahr werden Untersuchungen zu Möglichkeiten der Schädlings-bekämpfung ohne den Einsatz chemischer Pestizide ausgezeichnet. Diese Arbeiten betreffen insbesondere die Ackerkratzdistel (Cirsium arvense), die weltweit als eines der schlimmsten Unkräuter gilt. In der Schweiz bedroht diese Pflanze die ökologischen Ausgleichsflächen. Das sind Flächen, die von den Bauern angelegt werden, um die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen zu fördern.

Die Studien, die der Preisträger im Rahmen des NFS Plant Survival betreibt, haben zu zwei Methoden geführt, welche die weitere Verbreitung des Unkrauts bremsen könnten. Die erste greift auf den Schildkäfer (Cassida rubiginosa) zurück, ein Insekt, das sich mit Vorliebe von den Blättern der Ackerkratzdistel ernährt. Biologe Sven Bacher ermittelte die optimale Dichte einer Population von Schildkäfern, die es - zusammen mit der Einsaat von ausgewählten Wildkräutern - ermöglicht, den eindringenden Unkräutern wirkungsvoll entgegenzutreten.

Videokameras, die auf Höhe der Unkräuter installiert wurden, erlaubten es, die natürlichen Feinde des nützlichen Schildkäfers zu erkennen. In 99,4% der Fälle ist der Tod des Käfers der Feldwespe Polistes dominulus zuzuschreiben. Dies bedeutet, dass die sogenannten Generalisten unter den räuberischen Insekten wie Ameisen, Wanzen, Florfliegen usw. nicht wie bisher vermutet für das geringe Vorkommen des Schildkäfers verantwortlich sind.

Die zweite Methode zur Bekämpfung der Ackerkratzdistel nutzt die Tatsache aus, dass der Rüsselkäfer Apion onopordi den Rostpilz Puccinia punctiformis auf die Distel überträgt. Die Arbeit des Preisträgers zeigt, dass Insekt und Pilz sich gegenseitig fördern. Diese Erkenntnis ist im Bereich der Populationsökologie eine Neuheit. Es handelt sich um die erste mutualistische Wechselwirkung, die zwischen einem Krankheitserreger, der Pflanzen angreift, und einem pflanzenfressenden Insekt nachgewiesen wurde", sagt Sven Bacher. Meistens stehen diese Gruppen zueinander in einem Konkurrenzverhältnis. Diese Entdeckung ermöglicht es erstmals, den Rostpilz gezielt zur Bekämpfung des Unkrauts einzusetzen".

Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit des Berner Biologen ist die Gefahr, die von aus anderen Kontinenten eingeschleppten Schädlingen ausgeht. In diesem Bereich haben Bachers Untersuchungen zu den Lebensgewohnheiten der Kastanienminiermotte Cameraria ohridella, die seit Mitte der 1980er Jahre die europäische Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) befällt, zwei wichtige Ergebnisse geliefert. Er hat nachgewiesen, dass das Einsammeln der abgestorbenen Kastanienblätter eine wirksame Massnahme darstellt, um die Verbreitung des Schädlings einzuschränken. Weiter hat der Forscher den Beleg erbracht, dass befallene Kastanien kleinere Samen produzieren. Dies führt dazu, dass die aus den erkrankten Bäumen nachfolgenden Baumgenerationen anfälliger sind. Folglich könnte das Überleben der letzten natürlichen Rosskastanienwälder auf dem Balkan gefährdet sein. Diese Arbeiten Bachers sind Teil eines Projekts innerhalb des 5. Forschungsrahmenprogramms der EU.

Zusätzliche Informationen über den Berner Umwelt-Forschungspreis:

www.ikaoe.unibe.ch/forschung/ufp/

für weitere information

Kontakt zum Preisträger:

Sven Bacher, PD Dr.
Zoologisches Institut
Universität Bern

Tel. +41 (0) 31 631 45 39 / 11
Fax: +41 (0) 31 631 48 88

sven.bacher(at)zos.unibe.ch
www.zoology.unibe.ch/ecol/bacher/

Redaktor: Igor Chlebny