Wer sind wir?
Was machen wir?
Publikationen
Wer sind wir?
Vegetatio Helvetica, die Schweizerische Gesellschaft für Vegetationsforschung, wurde 1986 in Derborence (VD) unter dem Namen "Amicale suisse de phytosociologie" gegründet. Im Rahmen einer Gründungsversammlung in Bern in 1990 gab sie sich eine Vereinsstruktur mit Statuten, unter dem Namen "Schweizerische Pflanzensoziologische Gesellschaft". Dieser Name wurde im Mai 2000 umgeändert in "Vegetatio Helvetica".
Die Vereinigung hat zum Ziel, die Erforschung der Vegetation, insbesondere anhand der Pflanzensoziologie, ihre Lehre und ihre Anwendung zu fördern und den wissenschaftlichen Austausch auf nationaler wie internationaler Ebene zu stimulieren. Sie ist Mitglied der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften SANW.
Die Vereinigung hat gegenwärtig 110 Mitglieder. In der Welschschweiz gegründet, besitzt sie noch immer eine mehrheitlich französischsprachige Mitgliedschaft (ca. 50% der Mitglieder). Etwas 40% der Mitglieder kommen aus der Deutschschweiz und 10% aus den italienischsprachigen Landesteilen. Bezüglich ihrer beruflichen Tätigkeit setzt sich die Mitgliedschaft hauptsächlich aus zwei Gruppen zusammen: Wissenschaftler, die an Universitäten und Hochschulen pflanzensoziologische oder geobotanische Forschung betreiben, sowie Ökologen, deren Tätigkeit in privaten Firmen die praktische Anwendung der Pflanzensoziologie oder Geobotanik beinhaltet
Was machen wir?
Ziele der Vegetationsforschung
Ziel der Vegetationsforschung ist die Beschreibung der Vegetation in Raum und Zeit und das Verständnis der Faktoren, die räumlich-zeitliche Muster in der Vegetation bestimmen. Unter der Vegetation ist die Gesamtheit der Pflanzengemeinschaften, die zusammen das Pflanzenkleid eines Gebietes bilden, zu verstehen. Die Vegetation eines Gebietes ist nicht identisch mit dessen Flora: letztere ist die Gesamtheit der pflanzlichen Taxa (Arten, Unterarten, Sorten usw.), die im Gebiet vorkommen. Diese Taxa können aber in unterschiedlicher Kombination oder unterschiedlicher räumlich-zeitlicher Verteilung auftreten. Solche Unterschiede bestimmen die Vegetation des Gebietes. Zwei Gebiete mit gleicher Flora können daher eine unterschiedliche Vegetation aufweisen.
Geschichtliche Entwicklung
Seit langem schon ist bekannt, dass manche Pflanzenarten streng an einen bestimmten Lebensraum gebunden sind und praktisch nicht unter anderen Bedingungen vorkommen, während andere Pflanzenarten in verschiedenen Lebensräumen gefunden werden können. So versuchte bereits in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Jurasser Botaniker Jules Thurmann (1849) in seiner "Abhandlung der Phytostatik" die Verbreitung des Pflanzen in der Jurakette aufgrund der Struktur des Gesteins zu erklären. Diese wichtige Arbeit war eines der Pionierwerke der Vegetationsforschung. Gegen Ende des 19. Jahrhundert bildete sich ein präziser Begriff der Pflanzengesellschaft aus. Dieser beruhte auf der Erfahrung, dass oft alle Lebensräume, an die eine bestimmte Pflanzenart gebunden ist, insgesamt eine ähnliche Artenzusammensetzung aufweisen. Deshalb können diese Lebensräume und ihre Artenzusammensetzung zu einem Typ, der Pflanzengesellschaft, zusammengefasst werden. Die Pflanzensoziologie, d.h. die Erforschung der Pflanzengesellschaften und ihrer Artenzusammensetzung, erfuhr zu Beginn unseres Jahrhunderts eine starke Entwicklung, mit der Entstehung verschiedener Schulen. Im Jahr 1910 gaben die Botaniker C. Schröter aus Zürich und Ch. Flahault aus Montpellier auf einer Tagung in Brüssel erstmals eine präzise Definition der Pflanzengesellschaft. Unter dem Antrieb von J. Braun-Blanquet (Zürich) erfuhr die Pflanzensoziologie insbesondere in Mitteleuropa eine rasche Entwicklung zu einer Schule, die als Zürich-Montpellier-Schule oder sigmatistische Schule bezeichnet wurde.
Methoden der Vegetationsforschung
Die Erforschung von Vegetationstypen musste sich schon immer mit der grossen Diversität, Komplexität und Dynamik der Vegetation auseinandersetzen und Methoden entwickeln, die trotz dieser Schwierigkeiten eine systematische Beschreibung und ein allgemeines Verständnis vom Vorkommen der Vegetationstypen ermöglichen. Während langer Zeit war die Pflanzensoziologie die wichtigste Methoden der Vegetationsforschung. Im Vordergrund standen die Durchführung von pflanzensoziologischen Aufnahmen gemäss einem standardisierten Verfahren, sowie die Bearbeitung dieser Aufnahmen im Rahmen der Tabellenarbeit. Aufgrund von pflanzensoziologischen Arbeiten konnten Vegetationstypen beschrieben, Schlüssel zu ihrer Identifizierung erstellt und Vergleiche zwischen den Vegetationstypen verschiedener Gebiete gezogen werden. Es zeigte sich, dass sich die unzähligen verschiedenen Vegetationstypen in ein hierarchisches System gliedern lassen, dessen obere Stufen (grobe Einteilung der Vegetationstypen) überregionale Gültigkeit haben, während sich die unteren Stufen (feine Einteilung) von Region zu Region unterscheiden. Das pflanzensoziologische System, insbesondere auf den obere Stufen, hat sich über Jahrzehnte als einheitliches Referenzsystem in der Vegetationsforschung und seinen praktischen Anwendungen bewährt.
In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche neue Methoden zur Erforschung der Vegetation entwickelt. Die Methodik der pflanzensoziologischen Aufnahmen wurde verfeinert; insbesondere führte die Erkenntnis, dass Vegetationstypen auf verschiedenen Skalen definiert werden müssen, zur Entwicklung eines neuen Paradigmas, der "Phytosociologie synusiale intégrée".
Für die Auswertung von Vegetationsdaten wurde eine Vielfalt von statistischen Verfahren entwickelt, die die klassische Tabellenarbeit allmählich ablösten. Im Vordergund stehen multivariate Verfahren wie Ordination oder Klassifikation sowie geostatistische Verfahren.
Zunehmend wichtige Instrumente der Vegetationsforschung sind heutzutage elektronische Datenbanken, Simulationsmodelle, Fernerkundungsmethoden und Geographische Informations-systeme (GIS). Diese Verfahren ermöglichen insbesondere eine bessere Erfassung der räumlich-zeitlichen Muster, auch und gerade über grosse Gebiete bzw. lange Zeiträume, sowie die Erarbeitung von Prognosen und Szenarien.
Anwendungen der Vegetationsforschung
Die Vegetationsforschung findet in vielen Bereichen ihre praktische Anwendung, wie z.B. in der Land- und Forstwirtschaft, der Landschaftsplanung und dem Naturschutz. Pflanzensoziologische Erhebungen oder Vegetationskarten können als Planungsgrundlage sowie zur Erfolgskontrolle eingesetzt werden; die Kenntnis über Zusammenhänge zwischen Vegetation und Standort ermöglicht die Vorhersage von Veränderungen unter natürlichen oder menschlichen Einflüssen und die Auswahl geeigneter steuernder Massnahmen.
Methoden und Ergebnisse der Vegetationsforschung werden auch in verschiedenen anderen Naturwissenschaften eingesetzt, wie Agrarwissenschaften, Forstwissenschaften, Bodenkunde, Göologie, Zoologie usw.
Publikationen
Für die Publikation von vegetationskundlichen und insbesondere pflanzensoziologischen Arbeiten stehen verschiedene regionale, nationale und internationale Zeitschriften zur Verfügung, wie z.B. Botanica Helvetica, Geobotanica Helvetica, Candollea, Bauhinia, Mémoires de l'IFNP, Veröffentlichungen Geobot. Institut.ETH, Phytocoenologia, Vegetatio, Journal of Vegetation Science, Documents phytosociologiques, Colloques phytosociologiques, Braun-Blanquetia, Tuxenia, Dissertationes botanicae, Lejeunia.
Vegetatio Helvetica publiziert keine offizielle Zeitschrift, gibt jedoch ein internes Mitteilungsblatt heraus, in welchem kurze wissenschaftliche Beiträge präsentiert werden können.
VEGETATIO HELVETICA
Prof. J.-D. Gallandat
Institut de botanique
Emile-Argand 11
CH - 2007 Neuchâtel
tél : 032 / 718 23 26
Fax : 032 / 718 21 01
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Übersetzung : Sabine Güsewell
Page modifiée le 14.3.2001
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