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Seminar: Gottfried Kellers »Martin Salander«

HS 2017, Dienstag, 14–16 Uhr, B.2.78

Gottfried Kellers letztes Werk, den 1886 erschienenen Roman »Martin Salander«, feierte der Schriftsteller Peter Bichsel als eines der »wirklich großen Bücher über die Schweiz«. Tatsächlich beeindrucken Kellers (selbst-)kritische Auseinandersetzung mit den Idealen des Liberalismus und seine pessimistische Sicht auf deren politische Realisierung im jungen Bundesstaat bis heute – auch wenn die zeitgenössische Kritik den Roman eher verhalten aufnahm, der Autor selbst damit nicht ganz zufrieden schien und insbesondere den Schluss umzuarbeiten gedachte.
Das Seminar bietet Ihnen die Gelegenheit, sich vertieft mit Kellers Spätwerk auseinanderzusetzen und die literaturwissenschaftlichen Arbeitsmethoden am Beispiel eines der wichtigsten Texte der deutschsprachigen Schweizer Literatur des 19. Jh.s einzuüben.
Als Voraussetzung für die Textanalyse werden wir uns in die Entstehungs-, Publikations-, Editions- sowie Rezeptionsgeschichte einarbeiten und versuchen, Kellers Roman in den zeitgenössischen poetologischen Diskursen (Realismus, Naturalismus) und in den historischen Kontexten (politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Schweiz in der zweiten Hälfte des 19. Jh.s) zu verorten. Dabei sollen die eigenen Lektüreeindrücke in Bezug gesetzt werden zu den von der Forschung entwickelten Deutungsperspektiven.
Eine erste Lektüre des Romans bis zum Kursbeginn wird vorausgesetzt. Sie finden eine elektronische Version der Textfassung, die dem Seminar zugrunde gelegt wird, ab August 2017 auf Moodle (https://moodle.unine.ch).

Leistungsnachweis ist eine schriftliche Arbeit.

 

Seminar: Familienkonstellationen in der Gegenwartsliteratur

FS 2018, Dienstag, 14–16 Uhr, B.2.78

»Ganz aufgehen in der Familie heißt ganz untergehen.« In diesen Aphorismus fasst Marie von Ebner-Eschenbach den ambivalenten Status dieser biologisch und/oder sozial begründeten Verbindung zwischen Individuen. Literatur kann Familienkonstellationen abbilden, modellieren oder reflektieren und dadurch zur Fixierung bestimmter Formen ebenso wie zu deren Veränderung beitragen. Auf die Probe gestellt werden können unterschiedliche Familienmodelle oder die Tragfähigkeit bestimmter Familienverhältnisse wie Eltern-Kind- oder Geschwister-Beziehungen. Aber auch übergeordnete Fragestellungen wie die Konstruktion von Generationen(folgen) oder Geschlechterrollen sind Gegenstand der Literatur und ihrer Rezeption.
Im Seminar werden wir uns intensiv mit literarischen Neuerscheinungen auseinandersetzen, die Familienkonstellationen thematisieren, indem sie beschädigte Familienverhältnisse verarbeiten, sich am Ideal der intakten Familie abarbeiten oder neue Formen der Gemeinschaft erproben. Im Zentrum des Kurses werden die Erarbeitung historischer und soziologischer Grundbegriffe zur Beschreibung und Analyse solcher Konstellationen, die Anwendung literaturwissenschaftlicher Methoden auf die deutschsprachige Gegenwartsliteratur sowie die Auseinandersetzung mit der Literaturkritik stehen.
Als Teil des Kurses sind ein Besuch an den Solothurner Literaturtagen (11.–13. Mai 2018) sowie der Lesungen des Deutsch Clubs vorgesehen.
Eine Liste der literarischen Texte, die im Seminar behandelt werden, können Sie ab Januar 2018 via Moodle herunterladen (https://moodle.unine.ch).

Leistungsnachweis ist eine schriftliche Arbeit.