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Cours proposés

Einführung ins Mittelhochdeutsche

DO 1000–1130 / Herbst / B.2.61

Als ‚Mittelhochdeutsch‘ bezeichnet man die Varietäten des Deutschen, die etwa zwischen 1050 und 1350 gesprochen und geschrieben wurden. In dieser historischen Sprachstufe sind bedeutende Grundlagenwerke der deutschsprachigen Literatur und Kultur verfasst. Der Einführungskurs vermittelt Basiskenntnisse des Mittelhochdeutschen und leitet anhand der Erzählung ‚Der arme Heinrich‘ von Hartmann von Aue zur Lektürefähigkeit mittelhochdeutscher Texte an. Zugleich führt er in Erscheinungsformen und Aspekte der mittelalterlichen Literatur und Kultur ein.

Literatur (bitte vor Beginn der Vorlesungszeit besorgen!):

Hartmann von Aue, Der arme Heinrich, hg. von Nathanael Busch, Stuttgart 2015 [ISBN 978-3-15-019906-0]

Beate Hennig, Kleines mittelhochdeutsches Wörterbuch. 6. Aufl., Berlin und Boston 2014. [ISBN 978-3110328776, auch frühere Auflagen dieses Wörterbuchs sind möglich]

Evaluation: wöchentliche Bearbeitung einer Grammatiklektion mit Übungsaufgabe; Abschlusstest in der letzten Vorlesungswoche


Seminar zur mittelhochdeutschen Literatur: Mittelhochdeutsche Sangspruchdichtung

DO 0945–1115 / Frühjahr / B.2.79

Pré-réquis: erfolgreicher Besuch der Einführung ins Mittelhochdeutsche

Neben dem Minnesang gilt die Sangspruchdichtung als zweite Hauptgattung der mittelhochdeutschen Lyrik. Wie auch jener besteht sie aus singbaren Strophen, unterscheidet sich jedoch durch ihre Themenvielfalt: Sangspruchstrophen enthalten religiöse Lehre, Gebet, Ethik, Herrscherlob und Fürstenheische, politische Propaganda und Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen, Naturkundliches, manchmal Rätsel und Komik sowie auch liebestheoretische Reflexionen. Sangspruchdichtung neigt zum Belehren, zum Konstatieren von Werten und Ordnungen; sie wird aus der selbstbewussten Perspektive des Wissenden, Ratgebenden und (rational) Überlegenen vorgetragen. Hinter diesem Habitus steckt eine Sprecherrolle, angenommen von sozial abhängigen Sängern, die sich als fahrende Berufsdichter an wechselnden Fürstenhöfen aufhielten und zu ihrem Lebensunterhalt die Gunst der Herrscher gewinnen mussten.

Nach Anfängen im späten 12. Jahrhundert setzt die Gattung mit den Sangsprüchen Walthers von der Vogelweide (um 1200/20) im eigentlichen Sinne ein und gewinnt ihre größte Bedeutung  ab der Mitte des 13. Jahrhunderts. Viele der Sänger – von denen nur wenige historisch identifiziert werden können – machen durch klangvolle Dichternamen wie Spervogel (‚Sperling’), Rumelant (‚Räume das Land!’), Hellefiur (‚Höllenfeuer’), Singuf (‚Sing’!’) oder Frauenlob auf sich aufmerksam.

Anders als in der Minnelyrik schufen und benutzten Sangspruchdichter ihre Strophenformen und Melodien (‚Töne’) nicht nur für einzelne Texte, sondern sie füllten sie immer wieder neu mit unterschiedlichen Inhalten. Dabei sind Sangspruchstrophen, ebenfalls im Gegensatz zum liedhaften Minnesang, in der Regel eigenständig, d.h. jede Strophe bildet ein in sich abgeschlossenes Ganzes und steht für sich, auch wenn sie den Ton mit anderen Strophen teilt.

Im Seminar werden wir die Gattung der Sangspruchdichtung anhand einer exemplarischen Auswahl von Texten literarhistorisch und thematisch erschließen. Dabei werden zugleich Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens eingeübt.

Literatur:

Alle behandelten Texte werden im Laufe des Semesters zur Verfügung gestellt. Zur Vertiefung sei die folgende Anthologie empfohlen (Anschaffung nicht obligatorisch):

Mittelhochdeutsche Sangspruchdichtung des 13. Jahrhunderts. Mittelhoch­deutsch / Neu­hoch­­deutsch, hg., übersetzt und kommentiert von Theodor Nolte und Volker Schupp, Stuttgart 2011. [ISBN 978-3-15-018733-3]

Bitte erwerben Sie die folgende Einführung (Anschaffung obligatorisch):

Tervooren, Helmut, Sangspruchdichtung, 2. Aufl., Stuttgart und Weimar 2001 (Sammlung Metzler 293). [ISBN 3-476-12293-X]

Außerdem benötigen Sie ein Wörterbuch des Mittelhochdeutschen, am besten das schon im Einführungskurs verwendete von Beate Hennig.

Evaluation: Seminararbeit (ca. 8 Seiten); kleine Leistungen während der Vorlesungszeit (graphische Dokumentation einer Sitzung, bibliographische Recherche)